Diskriminierung im Klassenzimmer – Susanne Wiesingers neues Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“/BLOG

Susanne Wiesinger, (c) Nikolaus Ostermann

Richtige Fragen, falsche Antworten

„Frau Lehrerin, wenn Sie mich nicht respektieren, warum soll ich Sie dann respektieren?“ Die Früchte, die sie säen, ernten sie nun. Wiener NMS Kinder haben keine Perspektiven und wenden sich auch deswegen der Religion zu. Der Rassismus und die Arroganz, mit denen ihnen die Mehrheitsgesellschaft und auch die eigenen Lehrer mitunter begegnen, verstärken diese Entwicklung. Diskriminierung im Klassenzimmer, Rassismus im Schulzimmer sind tabu. Die neue Regierung kürzt Sozialarbeit an Schulen und alle Maßnahmen, die zu einer Integration auf Augenhöhe führen können. Spätestens unter ÖVPFPÖ ist Rassismus salonfähig geworden und man braucht nicht erstaunt tun, wenn nun eine Gegenreaktion kommt. Tatsächlich wurden viele Probleme jedoch schon seit einem Jahrzehnt unter den Teppich gekehrt.

Quelle: Initiative für diskriminierungsfreies Bildungswesen diskriminierungsfrei.at

Klassen werden Ghettos

Jugendliche aus bildungsfernen Schichten benötigen Förderung und Wertschätzung, derzeit werden sie rundum herablassend behandelt und erhalten von zu Hause keinerlei Unterstützung. Dagegen würde die Einführung der Gesamtschule helfen, es braucht eine Durchmischung und keine Ghettos für armutsbetroffene Jugendliche, deren Weg in die Perspektivlosigkeit dann schon vorgezeichnet ist. Die Regierung sollte sofort handeln und Lehrer dahingehend weiterbilden, die eigene Haltung zu reflektieren, Hilflosigkeit nicht als Schande zu betrachten und mit Eltern und Schülern eine wertschätzende Gesprächskultur zu entwickeln, da Lehrer auch mit Eltern mitunter respektlos reden. Umgekehrt erhalten engagierte Lehrer kaum ausreichend Hilfestellung und seit diesem Schuljahr wurden viele gute Maßnahmen wie beispielsweise das Teamteaching gestrichen.

Armut fördert Abschottung

Nicht der Islam ist das vorrangige Problem, sondern Armut, Perspektivlosigkeit und Bildungsferne. Für die Integration von bildungsfernen Menschen sollte die Regierung viel mehr sozialarbeiterische Aktivitäten entfalten und für bessere Verdienstmöglichkeiten im Niedriglohnsektor sorgen. Es gibt Deradikalisierungsprogramme, die in den Schulen auch von Lehrern anscheinend nicht ausreichend in Anspruch genommen werden. Es herrscht zu wenig Interesse, die Jugendlichen wirklich aus ihren geistigen Ghettos rauszuholen und Menschen aus der Arbeitslosigkeit. Es gibt natürlich immer einen Prozentsatz, der in der abgeschotteten Community verbleiben und auf Staatskosten leben möchte und den man nicht erreichen kann, und man muss den Menschen klar sagen, dass sie sich an unsere demokratischen Grundwerte zu halten haben. Ebenso entschlossen muss man der Unterdrückung von Frauen und Mädchen entgegentreten. Aber derzeit vertut man ganz viel Potential: rebellische Jugendliche könnten sehr wohl zur Räson kommen und wenn das nicht gelingt, hat das AUCH mit Xenophobie zu tun – und mit mangelnden Ressourcen. Susanne Wiesingers Buch mit dem sehr fragwürdigen Titel „Kulturkampf im Klassenzimmer“gibt daher falsche Antworten auf richtige Fragen. Es fördert Islamophobie und schablonenhaftes Denken. Wiesinger lässt sich von einem Medienhaus einspannen, das seine Geschäfte mit der dem Polarisieren und Emotionalisieren macht.  Positivbeispiel: die NMS Lehrerin Maria Lodjn argumentiert in einem von mir geführten Podast-Interview vom vergangenen August weitaus differenzierter.

 

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